Der Wiedergefundene

Ein Weißburgunder aus Baden, der eigentlich längst hätte getrunken werden sollen. Eine Flasche, die ein Jahr lang unbeachtet blieb, wie ein Geschenk, das man im Schrank übersieht. Und dann, im Frühling, auf einmal geöffnet.

Im Duft liegt ein Hauch von Gletscherbonbon, frisch, fast verspielt, dazu Frühlingsblüten und Zitrus, leicht, hell, wie ein neuer Anfang. Am Gaumen zuerst die Süße, fast zu deutlich, doch ehe man es sich versieht, endet sie in einer feinen Bitterkeit, die alles ins Gleichgewicht bringt.

Es klingt widersprüchlich, und doch ergibt es ein Bild: rund, schlüssig, eigen. Wie ein Gespräch, das erst Umwege nimmt, ehe es zu seinem Punkt findet. Und vielleicht war es gut, dass er warten musste, dieser Wein. Manche Dinge entfalten sich erst, wenn man sie fast vergessen hat.