Der passende Anlass

Manchmal beginnt die Erfahrung mit einem besonderen Wein mit einem Irrtum. Ein Griff ins falsche Regal beim Winzer im Remstal, ein kurzer Moment der Unachtsamkeit, und plötzlich steht da eine Flasche, die eigentlich nicht geplant war. Nicht zugehört, Karte hingehalten, kurz erschrocken. Viel zu teuer eigentlich, zu besonders für den Alltag.
Also bleibt sie stehen. Wartet geduldig auf ihren Einsatz.
Monate später findet sie ihren Anlass: der Hochzeitstag, "Veilchenhochzeit". Und was wie ein Versehen begann, wirkt jetzt wie Absicht.
In der Nase Stachelbeeren und Melone, frisch und klar. Am Gaumen dann mehr Tiefe: vollreife Herbsttrauben, wieder Melone, dazu eine feine Mineralität und ein Hauch Kräuterigkeit. Ein leiser Wein, keiner, der sich sofort erschließt. Einer, der ein wenig Aufmerksamkeit verlangt und genau dafür belohnt.
Und so sitzt man da und denkt: Vielleicht sind die besten Entscheidungen die, die man gar nicht bewusst getroffen hat.
Ein Wein, der mit Verstand getrunken werden will, und am Ende doch nur ein Wort braucht: wunderbar. Es sollte wohl so sein.